Anne Frank ...

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Anne-Frank-Helferin Gies wird 100

Packesel, Zuhörerin, Heldin

Miep Gies hat Anne Frank versteckt und bis zum Verrat und zur Deportation ins KZ versorgt - und sie rettete das heute berühmte Tagebuch. Darin nannte Anne Miep dankbar einen "Packesel". Heute wird sie 100 Jahre alt und wehrt sich gegen den Ruf, eine Heldin zu sein.

Von Christopher Plass, HR-Hörfunkstudio Brüssel

Anne Franks Helferin Miep Gies (Foto: picture-alliance/ dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anne Franks bekannteste Helferin Miep Gies wird 100 Jahre alt. ]
Miep Gies ist in den Niederlanden eine Person der Zeitgeschichte. Aber ihren 100. Geburtstag will sie familiär in aller Stille feiern. Interviews gibt sie nicht mehr. Sie sei bei guter Gesundheit, sagt ihre Freundin Teresien Da Silva, die die Forschungsabteilung im Amsterdamer Anne-Frank-Haus leitet. Miep Gies lese viel, wisse genau, was in der Welt los sei, bekomme immer noch viel Post. Aber den großen Rummel scheue sie.

"Das Tagebuch von Anne Frank, das sie mit ihrer Freundin Elli gerettet hat, ist in 70 Sprachen übersetzt worden. Das ist keine Kleinigkeit", sagt Da Silva über Miep Gies. "Aber sie wollte nie als Heldin betrachtet werden, dagegen hat sie sich immer gewehrt. Sie sagt: 'Ich habe getan, was ich tun musste. Punkt aus.'"

"Das war für mich selbstverständlich"

Miep Gies hat für Anne Frank und ihre Familie viel getan. Otto Frank, der Vater von Anne, hatte Miep Gies 1933 als Sekretärin in seiner kleinen Firma in Amsterdam eingestellt. Nach der Besetzung der Niederlande 1940 wurde es für die aus Frankfurt stammende jüdische Familie in Amsterdam gefährlich. 1942 konfrontierte Otto Frank seine Angestellte mit seinem Geheimplan. "Er sagte: 'Wir wollen uns hier in diesem Haus verstecken. Wärst Du bereit, uns zu helfen, uns mit Lebensmitteln zu versorgen?'", erzählte Gies vor einigen Jahren im Fernsehen. "Ich sagte: 'Aber natürlich. Das war für mich selbstverständlich.'"  

Anne Frank Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anne Frank ]
Insgesamt acht Menschen - darunter die vierköpfige Familie Frank - haben sich rund zwei Jahre im Hinterhaus der Prinzengracht 263 versteckt. Miep Gies und drei andere Eingeweihte sorgten dafür, dass sie das hatten, was sie brauchten. Es sei immer beklemmend gewesen, ins gut getarnte Hinterhaus hinaufzusteigen, berichtete Gies. Immer wieder die Furcht und die großen Erwartungen in den Gesichtern der Untergetauchten sehen zu müssen. Außer bei Anne. "Die sagte immer als erste 'Hallo Miep, was gibt es Neues?'", erzählte Gies.

Zuhörerin in der Not

Anne Frank hat Miep Gies in ihrem Tagebuch mal als Packesel bezeichnet, der so vieles für die Familie im Versteck herangeschafft habe. Gies war Kontakt zur Außenwelt, auch Zuhörer in der Not. Als Anne Frank und die anderen verraten und am 4. August 1944 vom Sicherheitsdienst abgeholt wurden, hat Gies die Tagebuch-Aufzeichnungen gefunden, verwahrt und nach dem Krieg an den Vater, Otto Frank, übergeben, der das Konzentrationslager als einziger aus der Familie überlebte. In den Jahren seit 1947 sollen 30 Millionen Exemplare weltweit verkauft worden sein.

"Am 4. August, dem Tag des Verrats, zieht sie die Gardinen vor, geht nicht ans Telefon. Dann will sie für sich sein", sagt ihre Freundin Da Silva über Miep Gies. Wer die Familie damals verraten hat, ist bis heute ein Rätsel.

Anne Frank ist Symbol der Judenvernichtung

Teile des Tagebuchs von Anne Frank (Foto: picture-alliance / KPA/TopFoto) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Anne Franks Tagebuch wurde in 70 Sprachen übersetzt. ]
Gies hat mit ihrem Buch "Meine Zeit mit Anne Frank" selbst die schrecklichen Momente aufgearbeitet, im Frankfurter Fischer-Verlag wurde es gerade neu aufgelegt. Sie ist nach dem Krieg in aller Welt unterwegs gewesen mit dem selbst gesetzten Auftrag, dass der Holocaust nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Es schmerze sie bis heute, sagt Da Silva, dass immer wieder die Echtheit des Tagebuches angezweifelt wurde - nicht zuletzt von der politischen Rechten. "Anne Frank ist wie Auschwitz ein Symbol für die Vernichtung der Juden. Es kommt nicht von ungefähr, dass gerade die Holocaust-Leugner diese Symbole angreifen", so Da Silva. Das finde Gies ganz schlimm und dagegen wehre sie sich.

Anne Frank wäre in diesem Jahr 80 geworden. Durch Miep Gies, die das Tagebuch gerettet hat, ist ihr Schicksal unvergessen.

Stand: 15.02.2009 08:21 Uhr      

Quelle:
Tagesschau - Artikel



Herzlichen Glückwunsch ...

Diesen Artikel habe ich heute im I-net gefunden und nachdem ich den gelesen hatte, dachte ich mir, stell den hier ein. Ich hab mich daran erinnert als ich mir das Buch gekauft und gelesen habe. In der Schule habe ich darüber ein 60-Minütigen Vortrag gehalten (Referat in Deutsch). Ich hab mir damit richtig Arbeit gemacht, aber es hat sich gelohnt. Und Glücklicherweise (auch wenn das hier vielleicht etwas makaber klingt) lief in der Zeit auch der Film bei den öffentlich-rechtlichen. Das Buch und der Film haben mir eindrucksvoll geschildert, wie vorsichtig man zu hjener Zeit sein musste und dass es viel Vertrauen ist, was man hier aufbringen muss.

Ich habe die Leute bewundert wie man es so aushält zu leben. Sicher, sie alle waren darauf angewiesen, wenn man überleben wollte, aber man stelle sich diese Situation des Lebens heute vor .... Würde das gut gehen?!

Ich glaube, ich würde das so nicht fertig bringen, diese Enge, keine richtige Privatsphäre und die ständige Angst ... Das würde ich nicht überleben. Auch wenn wir heute nicht diese Umstände haben (zum Glück), so ist es bemerkenswert gewesen.

Auch wenn hier jetzt nicht die richtigen Worte stehen, so dürfte es jedem verständlich sein: Diese Zeit kann man nicht leugnen. Wir sind heute bestimmt nicht stolz darauf, wieviel Leid zugetragen wurde, aber wir leugnen die Zeit nicht.

Das Tagebuch der Anne Frank ist für mich ein Dokument der Geschichte, welches eindrucksvoll geschildert hat, wie man es unter widrigen Bedingungen schafft, einen gewissen Zeitraum zu überleben.

Danke.

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